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Welcome to Iran

Welcome to Iran

Wie bei jeder Reise sind die Erlebnisse und Wahrnehmungen subjektiv und aufgrund der Sprachbarriere haben wir zu den Menschen mit Bildung, die dem englischen mächtig sind mehr Kontakt. Doch eines vereint alle Iraner, unabhängig von Herkunft und Region, deren Gastfreundlichkeit, die wir so noch in keinem anderen Land erfahren haben. Die stets warmherzige Begrüßung „Welcome to Iran“ von wildfremden Menschen mit einem strahlenden Lächeln ist einmalig.

Land

In 4 Wochen kann man in einem Land das knapp 5 mal so groß ist wie Deutschland bei weitem nicht alles sehen. So picken wir uns ein paar Highlights raus und lassen uns treiben, vor allem von den Offerten der Iraner, die uns mal begleiten, mal die Ideen liefern und uns  immer wieder Dank ihrem großen Freundeskreis zu Einladungen und Übernachtungsplätze verhelfen.

Wer uns kennt weiß, dass die Wüste unser Terrain ist, so folgen wir dem Ruf der Dasht-e Kavir. Die große Salzwüste im iranischen Hochland ist unbesiedelt und endlos riesig (im Vergleich hierzu sind die Wüsten Marokkos ein gut besuchter Sandkasten). Die Tracks verlaufen am Rande der Großen Kavir, nicht ins lebensfeindliche Innere. Doch die Ausdehnung und  Einsamkeit der Wüste geben uns das Gefühl mittendrin im Nichts zu sein, welches sich in nicht ausmachbarer Ferne verliert. Die Landschaftsformen variieren: die ausgedehnte menschenleere Dünenlandschaft der Marandschab Dünen, die gebrochene Salzkruste des Namak Salzsees, farbige Berge im gleißenden Sonnenlicht und ausgetrocknetes Steppengrass schimmert im warmen ockergelb.

Nach der Stille und Kargheit der Wüste lockt der Reiz des alten Orient in Isfahan, Shiraz und Yazd. Während sich in Westeuropa das finstere Mittelalter ausbreitete, erlebten diese Städte in Persien ihre Glanzzeiten und wurden mit zahlreichen Gartenanlagen und Prachtbauten verschönert. Der Mythos 1001 Nacht verzaubert unsere Sinne. Die Moscheen mit den schön verzierten Fliesen im warmen Abendlicht der Sonne, die fremdländischen Klänge, das bunte Treiben und die quirligen alten Basare lassen das Shoppingherz von uns Frauen höher schlagen.

Leute

In Teheran lernen wir junge, unkonventionelle Menschen kennen. Deren Art zu Leben unterscheidet sich nicht groß von unserem westlichen Lebensstil.  Sie sind gut ausgebildet. Kreative Studíengänge, wie Architektur und Produktdesign, sind sehr beliebt. Häufig folgt ein Zweitstudium oder Auslandsaufenthalt, nicht selten mangels passendem Jobangebot nach dem ersten Hochschulabschluss, oder sie gehen einer Arbeit nach. Wechselnde, unregelmäßige Tätigkeiten und selbständiges Arbeiten sind gang und gäbe.
Iraner leben mit oder ohne Trauschein zusammen, in diesem Fall unterschreiben die liberalen Eltern den Mietvertrag. Und wenn die Ehe eines Tages nicht mehr funktioniert, lässt man sich scheiden.
Dem Papier nach sind sie alle Muslime. Doch mit Gebote, sei es religiöse oder Regelungen der Regierung, nehmen es die Einheimischen nicht so genau. Kaum zu Hause, wird das Kopftuch abgelegt, modische westliche Kleidung getragen, moderne westliche Musik gehört und dazu selbstgebrannter oder geschmuggelter Alkohol getrunken, mit Vorliebe Hochprozentiges. Einige bekennen sich uns gegenüber offen Atheist zu sein. Ein Austritt aus dem Islam ist ihnen jedoch nicht möglich, hierauf steht die Todesstrafe.

Die kleinen Geschichten am Rande

Im Iran gibt es keine Internet Flaterate, man kann lediglich ein begrenztes Datenvolumen kaufen und ständig nachkaufen. Doch das ist bei weitem nicht die einzige Schikane für die Iraner im World Wide Web. Die Internetverbindung ist langsam und häufig unterbrochen und aus Angst vor politischen Diskussionen sind soziale Medien geblockt, gewissermaßen das Pendant zur Schließung traditioneller Teehäuser. Doch wir wären nicht im Iran, wenn die junge Generation nicht längst einen Weg zur Umgehung der Facebook-Blockade gefunden hätte.

In der Stadt Urmia gibt es einen eigens für die Frauen vorbehaltener Park, in dem sie sich ohne Kopftuch aufhalten dürfen. Er ist von außen nicht einsehbar. Als Sichtschutz dienen Mauern und Planen. Ganz anders auf einer kleinen Insel im persischen Golf. Dort verhelfen die Geister den modernen (und mutigen) Frauen zu den kleinen Freiheiten. Ein alter Aberglaube sorgt bis heute, dass ein Teil der Insel unbewohnt ist und zu einem beliebten Hippie Treff wurde, inklusive Nacktbaden.

Alalehist ist im Alter von 15 Jahren mit Ihrer Mutter nach Norwegen ausgewandert, hat Architektur studiert, war in den langen Wintermonaten viel auf Reisen und ist kürzlich in Iran zurückgekehrt. Sie glaubt an ihre Generation, die 80er, und hofft dass noch viele ihrer Altersgruppe aus dem Ausland zurück kommen und sie gemeinsam Veränderungen in ihrem Heimatland bewirken.

Parkplätze sind in der Megacity Teheran rar. Wir parken unsere Trucks mehrere Tage in einem Wohngebiet im Norden der Stadt, direkt vor einem Wohnhaus. Blockieren somit die Parkplätze der Anwohner. Als wir diese endlich kennenlernen, fällt kein böses Wort, sondern wir werden eingeladen zu ihnen auf die Terrasse und uns wird den ganzen Abend eine Köstlichkeit nach der anderen serviert. Dazu wird Wodka gereicht. Hasan hat eine Zeitlang in Spanien als Yogalehrer gearbeitet, lebt inzwischen mit Frau und Kinder in Teheran und ist als selbstständiger Ingenieur im ganzen Land tätig. Sein Lebensmotto: Die Einschränkung ist die Mutter der Innovation.

Nach der Revolution waren die Farmer in der Provinz Urmia gezwungen anstatt Wein, Apfelpantagen anzubauen mit der Folge dass deren erhöhter Wasserbedarf den größten Binnensee Irans zur Salzwüste austrocknet. Es droht eine Umweltkatastrophe.

20% Habenzins und 22% Sollzins. Wie so oft profitieren die ehe schon Begünstigten, etwa diejenigen die ihren Grundbesitz veräußern konnten und nicht enteignet wurden. Ein einfacher Soldat mit 8€ Monatsverdienst profitiert wohl kaum vom hohen Zinsertrag. Als Wehrdienstleistender kommt er immerhin in den Besitz eines Reisepasses, der Verweigerer hingeben muss mit ordentlich Backschisch seinen Reisepass erkaufen.

 


Die Iraner sind Weltmeister in Gastfreundlichkeit.

Stefan Orth in „Couchsurfing im Iran“



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